30 verschiedene Schnäpse und Liköre | © Edith Danzer
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Edle Tropfen

Feinste Destillate und Gin aus Saalbach Hinterglemm

Er trägt den Spitznamen „Dr. Vogelbeere“ und hat sich in den letzten Jahren mit seiner Edelbrennerei in Hinterglemm einen ausgezeichneten Namen gemacht. Bartl Enn ist kreativer Schnapsbrenner aus Leidenschaft, bei dem die hochprozentige Karriere mit einer „Schnapsidee“ begann.

Beim Betreten der kleinen Brennerei in Hinterglemm am Hasenbachweg werde ich empfangen von weihnachtlichen Aromen und dem Geruch nach Alkohol. Im kupfernen Brenngerät, das nach dem Eintreten sofort ins Auge fällt, brodelt es munter vor sich hin. Eindeutig, Bartl Enn ist am Produzieren eines neuen, edlen Tropfens. Zahlreiche Goldmedaillen an der Wand belegen, dass die Schnäpse und Liköre aus dem Hause Enn auch gut bei den Geschmacksknospen einer internationalen Fachjury ankommen.

Der Duft von Weihnachten

Auf meine Frage, warum es denn so weihnachtlich duftet, lacht der Brenner und meint: „Wir sind im Endspurt für die Produktion unserer Weihnachtstriologie. Bratapfel, Vannillekipferl-Sahnelikör und der schokoladig-nussige Festtagslikör. So wird Weihnachten auch für Liebhaber feiner Destillate zum Fest.“ Neben dieser Sonderabfüllung gibt bei Bartl Enn unglaubliche 30 verschiedene Sorten an Schnäpsen und ebensoviele Liköre. Vom heimischen Klassiker „Vogelbeere“ oder „Enzian“ bis zur „Dr. Guyot-Birne“ (für diesen Schnaps erhielt er übrigens die meisten Auszeichnungen), „Alter Apfel“, „Pistazie“ oder dem „TEH-Kräuterbitter“ mit 40 verschiedenen heimischen Kräutern.

 

Alles begann mit einer Schnapsidee

Doch zurück zur Vogelbeere und der „Schnapsidee“, mit der alles begann. Gern erzählt Bartl Enn diese Geschichte und schenkt auch gleich ein wenig Vogelbeerschnaps in die schön geschwungenen Stamperl. „Vor rund zwei Jahrzehnten war ich mit Freunden auf Skitour. Am Gipfel, beim Gipfelschnapserl, sagten wir uns, dass wir so einen ,Vogelbee’ doch selbst brennen könnten. Ich tüftelte etwas herum und 1985 brannte ich aus heimischen Vogelbeeren den ersten Schnaps - 1997 eröffnete ich meine Brennerei. Aus der Schnapsidee wurde ein Hobby, und aus dem Hobby ein Beruf. Heute arbeiten ich und meine Frau Monika in der Brennerei und unsere Nichte Sylvia Kofler unterstützt uns ebenfalls seit diesem Jahr“, erzählt er. Auf meine Frage, was sein Geheimnis für die ausgezeichnete Qualität der Schnäpse sei, meint der leidenschaftliche Brenner: „Wir verwenden nur handverlesene Früchte bester Qualität. Und wir bleiben kreativ.“ Diese Kreativität zeigt sich in den neuesten hochprozentigen Produkten. Ein sechsjähriger Rum aus Zuckerrüben aus Indonesien und Paraguay. Ein klarer Nussknackerlikör ohne Sahne oder das Kriecherl aus der wilden Zwetschke.

Gin - Made im Glemmtal

 Ein besonderes Meisterstück ist Bartl Enn aber mit seinem selbstgebrannten Gin gelungen. Als Wacholderschnaps oder Lieblingsdrink der Queen-Mum bekannt, erfährt der Gin gerade eine absolute Renaissance und ist der Szenedrink schlechthin. Schon steht eine Kostprobe vor mir und noch bevor ich trinke, rieche ich die eindeutige Wacholder-Note. Doch verschiedene Aromen verhelfen dem „Enn-Gin“ zu seinem ausgewogenen Geschmack, und während ich noch grüble, welche Zutaten ich noch aus dem puren Gin herausschmecke, verrät es mir der Schnapsbrenner bereits: „Bei meinem Gin ist die Hauptzutat die Preiselbeere. Zu Beginn habe ich mit 120 verschiedenen Zutaten und Kräutern experimentiert und schlussendlich die 44 harmonischsten daraus in Alkohol angesetzt und meine Erstabfüllung hergestellt. Unter anderem finden sich im Gin Ingwer, Zitronengras und Pfeffer.“

 

Wer Gin sagt, muss auch Tonic sagen

Gin kommt zumeist mit Tonic als Longdrink serviert, daher lag es für den kreativen Destillator nahe, ein eigenes Tonic zu entwickeln. „Die Entwicklung des Tonics machte ich zum Projekt meiner Nichte. Nach einiger Recherche kreierte Sylvia aus elf verschiedenen Zutaten unser neues Tonic-Sirup, das vor Gebrauch einfach mit Soda aufgemischt wird. Es gibt aber auch kleine Abfüllmengen mit fertigen Mischungen für einen Longdrink.“


 

Doch nicht nur Hochprozentiges kommt aus dem Hause Enn, denn mein Blick fällt auf kleine Fläschchen mit dem Etikett „Trinkessig“. „Etwas besonders Gesundes“, meint Bartl Enn und erklärt: „Ein Schluckerl Apfelessig in der Früh auf leeren Magen zu trinken war immer schon ein altes Hausmittel. Er wirkt antibakteriell, regt den Kreislauf an und hilft auch beim Abnehmen. Wir haben gleich vier verschiedene Sorten besonders milden Trinkessig im Sortiment - Dattel, Ananas, Apfel und Holunderblüten. Man kann ihn natürlich auch fürs Salatdressing verwenden, doch eigentlich sollte man ihn schluckweise genießen!“ Zum „schluckweise Genießen“ kündigt sich nun auch eine Gruppe an, die die Brennerei betritt. Sie wollen einige Produkte verkosten, um sich mit hochprozentigen Mitbringsel aus Saalbach Hinterglemm einzudecken. Während der Öffnungszeiten, von 8:00 bis 18:00 Uhr, steht Bartl Enn gerne für Verkostungen zur Verfügung.

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