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Zwei Brüder bei Olympia 2026
Seit 1. Februar ist es fix: Die Snowboarder Florian und Christoph Lechner werden bei den Olympischen Winterspielen in der Halfpipe antreten. Dabei steht Florian (20 Jahre) für Österreich und Christoph (25 Jahre) für Deutschland am Start. Kurz vor der Abreise nach Livigno haben sich die beiden noch einmal zum gemeinsamen Training getroffen und über die geteilte Leidenschaft für den Sport gesprochen, die sie in ihrer Heimat Saalbach Hinterglemm entdeckt haben.
Ihr seid in Deutschland geboren und aufgewachsen, aber dann gemeinsam mit euren Eltern nach Saalbach Hinterglemm gezogen. Wie habt ihr in den Profi-Snowboardsport gefunden?
Christoph: Unsere Eltern hatten früher eine Ferienwohnung in Hinterglemm und wir waren Kinder von Freitag bis Sonntag eigentlich immer am Berg unterwegs. Angefangen haben wir mit dem Skifahren, wir haben auch im Saalbacher Skiclub trainiert. Das heißt, wir viele Rennen gefahren und abends waren wir dann im Nightpark in Hinterglemm unterwegs. Bei mir ist die Entscheidung damals relativ spontan nach einem Schulwettkampf entstanden.
Ich hab ein Schnuppertraining machen können, das ganz cool gefunden und auch gut gemacht denk ich, weil ich hab dann direkt die Chance bekommen, ins deutsche Jugendnationalteam zu gehen. 2016 konnte ich mit dem DSV an den Olympischen Jugendspielen in Lillehammer teilnehmen. Olympia 2022 hat leider nicht geklappt, aber dafür sind wir jetzt gemeinsam als Brüder bei unserer ersten Olympiade in Milano-Cortina am Start.
Florian: Ursprünglich war der Gedanke, dass wir Ski-Rennfahrer werden. Aber wir sind auch beide Snowboard gefahren und haben uns dann, auch aufgrund unserer Körpergröße und Gewicht, für Snowboard-Freestyle entschieden. Mit unseren Eltern sind wir schließlich nach Hinterglemm übersiedelt. Christoph war am Sportinternat in Berchtesgaden/Deutschland, ich in Saalfelden/Salzburg. Dort haben wir uns dann auf Snowboard Halfpipe fokussiert.
Dadurch, dass ich in Österreich aufgewachsen und in die Schule gegangen bin, schlägt mein Herz mehr für Österreich. Ich hab mich daher für die österreichische Staatsbürgerschaft entschieden und beim ÖSV angefragt, ob sie ein Halfpipe-Team aufmachen wollen für mich, weil es bisher keines gab – und sie haben ja gesagt.
Was macht für euch den Reiz an der Disziplin Halfpipe aus?
Christoph: Der Einstieg in die Halfpipe ist schon schwierig am Anfang. Also dass du dich traust und dass du eben diese gewisse Höhe erreichst, die du brauchst, damit die ganzen Tricks halt auch funktionieren. Die Kombination aus dem Technischen und dem Style, die man in der Transition und im Flat in der Halfpipe braucht, das fühlt sich schon echt ziemlich cool an.
Florian: Ja, das ist schon immer ein sehr geiles Gefühl, weil die Halfpipe ist ja selbst zwischen 6 und 7 Meter hoch und wir springen dann nochmal 4-5 Meter drüber. Das ist ein Gefühl von Freiheit, sag ich mal, und natürlich auch sehr viel Adrenalin, wenn du dann nach unten schaust und denkst, wo bin ich?
Das klingt auch für die Zuschauer sehr spektakulär. Wie trainiert ihr das Jahr über für die Halfpipe?
Christoph: Im Sommer trainieren wir auf Dryslope-Anlagen mit Airbag-Landung und auch am Trampolin, also ganz ohne Schnee. Im Herbst wechseln wir dann in die Performance Camps in der Schweiz und auf’s Kitzsteinhorn, dann startet der Weltcup.
Florian: Also wir beginnen mit dem Training auf Matten und Airbags im Sommer und im Frühling und im Herbst lernen wir die Tricks dann am Schnee. Im Winter gilt es, die Tricks zu festigen und die verschiedenen Läufe für den Run in der Halfpipe zusammenbauen.
Der Snowpark in Livigno ist extra für Olympia nun neu gebaut worden. Habt ihr die Halfpipe dort jetzt schon mal probiert, oder ist das jetzt alles ganz neu für euch?
Christoph: Also probiert haben wir es leider noch nicht, weil sie erst vor zwei Wochen fertig geworden ist. Aber der Albert "Alli" Zehetner ist der Shaper der Olympia-Halfpipe. Er kommt aus Kaprun, also ganz aus unserer Nähe und baut sonst auch die Halfpipe am Kitzsteinhorn und im Secret Garden in China, wo wir auch trainieren. Und die Pipes, die er baut, sind die besten. Deswegen machen wir uns da keinen Stress, weil wir wissen, es wird eine der besten Pipes werden, die es gibt.
Wie bemerkt man, ob eine Halfpipe gut oder eben nicht so gut ist?
Florian: Bei nicht so gut präparierten Pipes ist das dann oft so wellig, das heißt wir halten manche Sprünge offener und arbeiten mit weniger Kante beim Absprung - was halt dann schwierig ist, weil du nicht weißt genau, wo du gerade rauskippst.
Morgen startet ihr bereits Richtung Livigno, wo eure Olympia Bewerbe stattfinden. Steigt jetzt der Druck?
Christoph: Ich würde sagen die Vorfreude steigt. Schön langsam merkt man, dass es jetzt bald losgeht. Aber jetzt fokussiere ich mich noch auf’s Training und versuche den Olympia-Vibe noch nicht ganz an mich ranzulassen. Eigentlich mag ich einfach nur cooles Snowboarding zeigen und meinen Run landen, und sonst alles was Spaß macht mitnehmen.
Florian: Ich freue mich so richtig auf die Olympische Spiele. Weil es meine ersten sind, versuche ich, es einfach zu genießen.
Es ist ja schon recht einzigartig, dass ihr als Brüder zeitgleich in der selben Disziplin, aber für zwei verschiedene Nationen antreten werdet. Wie geht es euch damit?
Christoph: Also, ich denke, es muss ja schon viel einfach klappen, dass du dann am Ende da eben am Start stehst. Deswegen ist das sehr cool, dass wir das beide geschafft haben. Cooler geht’s eigentlich nicht. Dass wir für Österreich und Deutschland starten, ist uns eigentlich ziemlich egal. Ein Vorteil ist, dass wir nicht mit den gleichen Trainern unterwegs sind. So bekommen wir anderen Input und können uns auch untereinander nochmal ein bisschen coachen.
Florian: Ja wir freuen uns beide, weil sich das jahrelange Training einfach ausgezahlt hat. Da ist man super happy, dass man es endlich geschafft hat. Und es ist halt eine coole Story: Zwei Brüder, zwei unterschiedliche Nationen, das ist schon mega. Das gute dabei ist: Wir nehmen uns gegenseitig keine Plätze weg und die Rangliste macht da ja auch keinen Unterschied.
Werden eure Familie und Freunde aus Saalbach Hinterglemm zu Olympia kommen?
ChristophFlorianunterstützen. Viele die wir kennen, werden auch online zuschauen. Nach der Saison werden wir dann wieder gemeinsam am Berg unterwegs sein.
Wenn ihr in eurer Freizeit Snowboarden geht, wo seid ihr dann am liebsten unterwegs?
Christoph: Ich würde sagen, unser liebstes Gebiet ist in Hinterglemm, die Hochalm.
Florian: Ja, wir sind von daheim in nur 5 Minuten an der Reiterkogelbahn und können so gleich nach hinten auf die Hochalm fahren. Dort sind die Pisten super und auch bei Tiefschnee ist es dort sehr cool.
Das heißt, ihr braucht nicht immer einen Park, damit ihr einen guten Tag am Berg habt?
Florian: Nein, absolut nicht. Und sind auch im Sommer gern am Berg unterwegs, dann halt mit den Bikes.
Christoph: Jetzt vor Olympia haben wir mit dem Downhillen ein bisserl aufpassen müssen, aber mit dem Mountainbike waren wir viel in Leogang und Saalbach Hinterglemm unterwegs – und im nächsten Sommer können wir auch da wieder mehr durchstarten.
Jetzt wünschen wir euch aber erstmal viel Erfolg für die Snowboard Halfpipe Bewerbe bei Olympia. Saalbach Hinterglemm - und auch unsere deutschen Gäste - drücken euch auf jeden Fall die Daumen.