Halbe-halbe in der Vertikale | Saalbach Hinterglemm
Aufstieg am Splitboard | © Lulu Brinkschulte
  • Outdoor

Halbe-halbe in der Vertikale

Splitboarden: Tourengehen für Snowboarder

Ich dachte immer, dass ich als Snowboarderin einen großen Nachteil gegenüber den Skifahrern habe. Meine Kollegen auf zwei Brettern gehen Touren mit ihren Tourenski, während ich immer mit meinem Brett auf dem Rücken hinterher stapfen muss. Tourenski habe ich auch schon ausprobiert, aber für eine begeisterte Snowboarderin gibt es nichts frustrierenderes als vor einer perfekten Abfahrt zu stehen und dann „nur“ mit Skiern runter fahren zu können. Für die #Storybase2018 durfte ich nun die Alternative zu Tourenski und Schneeschuhen ausprobieren: Splitboarden – also Tourengehen mit einem vertikal teilbaren Snowboard, das mit Bindung und Fellen den Aufstieg wie auf Skiern möglich machen soll.

Vorbereitung und Equipment

Bevor es für Bettina und mich zusammen mit unserem Guide Markus, einem staatlich geprüften Berg- und Skiführer, zur Erkundung der Bergwelt des Skicircus Saalbach Hinterglemm Leogang Fieberbrunn geht, gibt es erst einmal eine Einführung in das Splitboarden. Wir bekommen unser Equipment – bestehend aus Splitboard, Fellen, Stöcken und Notfallausrüstung (Schaufel, Sonde, LVS-Gerät) – ausgehändigt und werden über Schneeprofile, die Entstehung von Lawinen und den Umgang mit dem LVS-Gerät informiert. Die wichtigsten Regeln beim Tourengehen sind: Niemals ohne Notfallausrüstung und niemals ohne Begleitung ins Gelände aufbrechen!

Der Aufstieg

Das Fellaufziehen klappt problemlos. Dass man die Splitboardhälften beim Gehen nicht anheben, sondern kraftsparend vorwärts schieben soll, ist ein super Tipp von Markus, der sich auch relativ schnell ins Gedächtnis eingebrannt hat. Unsere Tour führt uns zuerst entlang der Skipiste und nach einigen Höhenmetern wechseln wir ins freie Gelände. Ein Schritt nach vorne, Stockeinsatz, atmen, ein Schritt nach vorne, Stockeinsatz, atmen... Immer weiter, immer weiter. Mit gleichmäßigen Zügen in der Spur des Vordermanns und umgeben von der unberührten Natur hat das Tourengehen schon fast etwas Meditatives – trotz der Anstrengung. Kraft sparen ist angesagt, immerhin liegen ein bis zwei Stunden Aufstieg vor uns für eine einzige Abfahrt.

 

Markus sagt uns immer wieder: „Touren gehen ist etwas für faule Menschen. Wir suchen uns immer den einfachsten Weg!“. Während des Aufstieges erklärt Markus uns viel über die Natur, über das Wetter und die Tiere in dem Gebiet. Woran erkennt man zum Beispiel bei den Tierspuren, wer durch den Schnee gelaufen ist? Die Hasenspuren erkennen wir leicht. Dort sieht die Spur aus wie ein Gesicht mit Augen, Nase und einem Mund. Was ich nicht wusste, ist dass die „Augen“ der Abdruck der Hinterfüße sind. Wenn man also die Richtung bestimmen will, orientiert man sich an der Richtung der Augen. Die Schneereste an den Fichten helfen uns bei der Bestimmung der Windrichtung. Außerdem zeigt Markus uns noch das Schneeprofil. Mit seiner Lawinenschaufel gräbt er einen Querschnitt durch die Schneedecke bis zum Boden. Mit Fingern prüfen wir die Konsistenz der verschiedenen Schneeschichten und Markus erklärt uns, wie die unterschiedlichen Härtegrade zu Spannungen und letztendlich zur Auslösung von Lawinen führen können. Oben angekommen stehe ich einen Moment da und schaue auf die Spur, die wir durch den frischen Tiefschnee gezogen haben.

Oben angekommen

Dann geht es endlich an die Abfahrt beziehungsweise zuerst den Umbau der Splitboards: Felle abziehen, Bindung abschrauben und das Bord vom Split-Mode in den Ride-Mode umbauen, Bindung wieder drauf, Stöcke einpacken. Jetzt kommen wir dem Moment, auf den wir uns schon die ganze Zeit freuen, endlich näher. Die Temperaturen sind zwar frisch, aber die Aussicht ist herrlich. Ein letztes Mal betrachten wir die umliegende Bergwelt und dann geht es endlich an die Abfahrt.

 

Die Abfahrt

Jeder von uns hat den Aufstieg genossen, doch sind wir nicht alle hier um eine unvergessliche Powderabfahrt zu erleben? Und siehe da, im Tiefschnee spielt das Splitboard seine Stärken aus. Die Abfahrt sieht wahnsinnig gut aus: unberührter Powder. Die Schneebeschaffenheit ist konstant und das einzige was zählt, ist die Line, die wir fahren wollen. Ich surfe auf dem Schnee und mache den einen oder anderen fetten Turn, bis meine Oberschenkel brennen.

Fazit

Obwohl es letztendlich nur eine Abfahrt war - es war der absolute Wahnsinn! Es ist einfach ein völlig neues Erlebnis, mit dem Splitboard unterwegs zu sein. Man ist abseits der Pisten. Es ist ruhiger und man ist von herrlicher Natur umgeben. Ich werde in nächster Zeit sicherlich öfter Splitboarden gehen. Letztendlich liebe ich das Snowboarden und fahre im Tiefschnee wo immer und wann immer ich kann. Dabei ist es mir egal ob ich mit dem Lift, dem Schneemobil, dem Splitboard oder hoffentlich auch irgendwann mit dem Heli unterwegs bin. I JUST LOVE TO RIDE!

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