Bartl Gensbichler | © Edith Danzer
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Skiclub Backstage

Rider ready? 3… 2… 1… Go!

„Rider ready? 3… 2… 1… Go!“, ertönt es an der perfekt präparierten Rennpiste am Zwölferkogel und schon katapultiert sich ein Skirennläufer kraftvoll aus dem Startgate und die Zeit läuft… WM-, Weltcup- und Europacup-erprobt sind die Mitglieder des Skiclubs Saalbach Hinterglemm, da flutscht ein Riesentorlauf für die britische Polizei routiniert und ohne Nervosität. Und trotzdem ist die Rennvorbereitung, bis der Countdown den ersten Vorläufer aus dem Gate schickt, erheblich. Ich war selbst einige Jahre in der Startmannschaft des Skiclubs und besuche meine ehemaligen Kollegen, um für die Saalbach Stories einen Blick hinter die Kulissen des Skiclubs zu werfen.

Der Skiclub Saalbach Hinterglemm ist mit 103 ausgebildeten und geprüften Kampfrichtern der größte im Land Salzburg. Und unglaubliche 55 Rennen pro Winter werden von diesem gut eingespielten Team abgewickelt. „Die Mehrzahl der Rennen sind touristische Rennen, wie Firmen- oder Vereinsrennen. Da reicht eine Mannschaftsstärke von etwa 15 bis 20 Kampfrichtern. Für ein Europacup oder Weltcuprennen benötigen wir dann natürlich ein Vielfaches an Helfern, Material und Zeit“, erklärt mir der langjährige Präsident des Skiclubs, Bartl Gensbichler, der heute als Renndirektor mit am Start ist, sein Team auf die einzelnen Posten verteilt und gleichzeitig aber auch die „Rutscher“ unterstützt.

Rutsch-Partie, Torposten und das MEK

Die „Rutsch-Partie“ saust im Schneepflug oder seitwärts rutschend nach dem Läufer durch die Tore und schiebt so losen Schnee aus der Ideallinie. Ein gefährlicher und stressiger Job – denn das Tempo der Rutscher ist enorm hoch, kommt doch gleich der nächste Starter und sie müssen den Kurs rechtzeitig wieder verlassen, um den Rennläufer nicht zu behindern. Doch ihre Arbeit sorgt für eine beständig gute Piste auch für höhere Startnummern. Denn beim Rutschen werden auch Schläge und Rillen auspoliert. Am Rand des Kurses sind Torposten stationiert. Sie überwachen akribisch die ihnen zugeteilten Tore und notieren sich jeden Einfädler und jedes falsch passierte Tor. Sie melden auch sofort einen Sturz oder Stangenbruch. Bei diesem „Start-Stop“ darf kein Läufer mehr das Startgate verlassen bis die Strecke wieder freigegeben wird. Ein eigener Trupp – das „Mobile Einsatz Kommando“ – ist dann sofort mit Ersatzstangen, Flaggen, Schaufel und Bohrmaschine zur Stelle, um das fehlerhafte Tor zu ersetzen. Gesetzt wurde der Kurs schon früh am Morgen von Bartl Gensbichler höchstpersönlich mit seinem Aufbauteam – bei hochkarätigen Rennen wird der Kurssetzer von der FIS bestimmt. Der Absperrzaun hält das Publikum von der Rennstrecke fern und im Fall des Falles den Läufer im Sturzraum. Je schneller die Rennen, desto mehr Fangzäune sind nötig – so ist das Aufbauteam für eine Weltcup-Abfahrt schon einige Tage nur mit dem Installieren dieser Sicherheits-Zäune beschäftigt.

Frauenpower in der Zeitnehmung

Über Funk ist der Start mit dem Ziel verbunden und beim Auslösen der Start-Antenne läuft für Stefanie Hofer die Zeit. Sie überwacht die Zeitnehmung und sorgt dafür, dass jeder Läufer auf die Hundertstelsekunde genau protokolliert wird. Ein Job für gute Nerven, denn oft sind zwei bis drei Läufer gleichzeitig auf der Strecke. Und jeder Lauf muss natürlich belegbar sein, fall es zu einem Einspruch kommt. Ganz nebenbei managt Steffi mit ihrer Mutter Ulrike das Skiclub-Büro. Dort laufen die Anmeldungen ein, hier wird die Mannschaft für Rennen eingeteilt, kommuniziert, die Mitgliedschaften verwaltet, organisiert und alle Start- und Ergebnislisten gedruckt. Der letzte Läufer saust gerade ins Ziel und schon beginnt die Mannschaft, die Tore abzubauen, die Kabel der Zeitnehmung aufzurollen und die Absperrung zu entfernen. Schon in wenigen Minuten düsen wieder die Urlauber über die eben noch mit Toren ausgeflaggte Rennpiste.

ÖSV Speed Trainingszentrum

Gemütlich trifft sich das Team nach jedem Rennen zu einem verdienten Essen. Die eingefrorenen Finger tauen langsam wieder auf und es gibt eine kurze Nachbesprechung. „Mit dem Zwölfer hat Saalbach Hinterglemm den idealen Rennberg und eine super Zusammenarbeit mit den Bergbahnen“, schwärmt Bartl Gensbichler. Der Zwölferkogel ist schon seit drei Jahren das ÖSV Speed-Trainingszentrum. Im weitläufigen Gelände behindert die Durchführung der Rennen und Trainings nicht den Publikumsskilauf und laufend sind auch internationale Top-Teams für ihre Trainings vor Ort. Heute früh war zum Beispiel Lindsey Vonn mit dem US-Team auf der Weltcupstrecke. „Fritz Steger ist nicht nur mein Stellvertreter, sondern auch der Pistenchef des Skiclubs – er ist unser Mann am Berg. Während ich mein Netzwerk im Skirennsport nutze, um das eine oder andere kapitale Rennen nach Saalbach Hinterglemm zu holen, sorgt Fritz schon ab Herbst für den perfekten Aufbau der Rennpiste. Er steht auch schon frühmorgens am Zwölfer um den Kurs abzusperren, die Piste nochmals zu vereisen oder mit seiner Truppe frisch gefallenen Schnee aus der Rennstrecke zu entfernen. Er koordiniert als One-Man-Show auch die Trainings der Spitzen-Teams und in Kooperation mit den Bergbahnen findet jeder Skistar hier perfekte Verhältnisse. An Nachwuchs mangelt es bei den Kampfrichtern nicht, denn, so versichert mir Bartl Gensbichler: „Jeder hier weiß, dass der Ort vom Skisport lebt. Und so können auch die Jungen etwas dazu beitragen. Mit Begeisterung sind sie bei den vielen Rennen am Start. Wie alle Mitglieder natürlich ehrenamtlich – viele nehmen sich Urlaubstage, um ihren Dienst beim Skiclub versehen zu können. Doch wenn wir dann selbst wieder eine Großveranstaltung am Zwölferkogel austragen, bewährt sich die Routine, die wir in den vielen kleinen Rennen sammeln.“

 

Einem weiteren Weltcuprennen sieht hier jeder mit strahlenden Augen entgegen. Trotz des vielen Mehraufwands, trotz der vielen freiwillig geleisteten Arbeitsstunden, trotz des hohen Drucks. Denn hier beim Skiclub Saalbach Hinterglemm lebt jeder einzelne Kampfrichter mit Herzblut für den Skisport.

 

Wer mehr über die Geschichte des Skiclubs und die Glemmtaler Skigeschichte erfahren möchte, kann das im Jahr 2014 - anlässlich der 100-Jahr-Feier - erschienene Buch im Skiclubbüro bestellen. 

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