• Tradition

Unsere Waldapotheke

Heilsames aus heimischen Wäldern

Wer die Augen offen hält (und sich ein wenig in der Pflanzenwelt auskennt) kann bei einer Wanderung im Home of Lässig nützliche botanische Helferlein für Salben, Badezusätze oder Öle finden. TEH-Praktikerin Susanne Miterer von Naturzauberwerke nimmt euch mit zu einem Besuch in der Waldapotheke.

Die Wandermöglichkeiten im Glemmtal sind schier unbegrenzt. Von leichten Familienwanderungen bis hin zu den Seven Summits – die Wanderrouten könnten nicht unterschiedlicher sein und jeder Wandertyp kommt dabei voll auf seine Kosten. Was die leichten und schwierigen Touren aber vereint ist der Wald. Egal ob man der Saalach entlang spaziert oder einen der zahlreichen Gipfel erklimmt: der Wald ist unübersehbar und unumgänglich. Etwa 4000 ha Waldfläche erstrecken sich über das gesamte Gemeindegebiet von Saalbach Hinterglemm und tragen maßgeblich zur frischen Luft im Glemmtal bei. Wer schon einmal ganz bewusst durch ein Waldstück gestreift ist, dem ist die angenehm feuchte und kühle Atmosphäre nicht entgangen. An heißen Sommertagen bietet der Wald  eine willkommene Abkühlung. Neben all den positiven Eigenschaften des Waldes, finden wir bei einem Waldspaziergang auch so manch Heilsames, das wir ganz einfach verarbeiten können.

Nadeln im Badewasser

Die ätherischen Öle und Terpene von Nadelbäumen haben eine erfrischende, desinfizierende und für die Bronchien heilsame Wirkung. Weshalb man die Nadeln verschiedener Bäume als wohltuenden Badezusatz oder zum Inhalieren bei Erkältungskrankheiten verwenden kann. 

 

Das Glück mit dem Pech

Nadelbäume wie Tanne, Fichte, Lärche oder Kiefer sondern Harz ab, wenn der Baum irgendwo verletzt wurde. Das Harz dient dem Baum als Wundpflaster. Auch vor Nässe, Schädlingen, Pilzen und anderen Krankheiten schützt sich der Baum mit einer Schicht aus Harz. Dieses Baumharz wird bei uns auch Pech genannt und schon seit vielen Jahren wird im Pinzgau eine Salbe aus Baumharzen hergestellt – die Pechsalbe. Die Pechsalbe ist ein bewährtes Mittel der Volksheilkunde und durfte früher in keinem Haushalt fehlen. Denn das Harz aus dem sie hergestellt wird, hat eine Vielzahl an besonderen Eigenschaften:

 

  • antibakteriell und antiviral
  • desinfizierend
  • wirkt durchblutungsfördernd
  • wundheilend
  • schleimlösend
  • erweichend
  • wärmend – vor allem bei kalten Füßen
  • schmerzlindernd bei rheumatischen Beschwerden und Muskelverspannungen

Das Anwendungspektrum der Salbe ist wirklich breit: Sie wird bei kleinen Wunden, bei Entzündungen, Verspannungen, Blasen auf Händen oder Füßen, aber auch Fieberblasen sowie bei Husten oder als Zugsalbe eingesetzt. Deshalb kann man nur von Glück reden, wenn man so eine Pechsalbe zur Hand hat.

Wald-Einreibung

Bestimmt kennt ihr auch das Gefühl von müden, schweren Beinen nach einer langen Wanderung. Um schmerzendem Muskelkater vorzubeugen bzw. diesen zu lindern, kann man sich ebenso in der Waldapotheke bedienen.

 

Ihr braucht:

  • 90 ml Ansatzschnaps mit 38-42% (zB Korn oder Vodka)
  • verschiedene Nadeln – wenn möglich die jungen Triebe.

Mit Ausnahme der giftigen Eibe können alle heimischen Nadelbaumarten für diese Einreibung verwendet werden.

  • 30 Tr ätherisches Kampfer-Öl

 

Die Nadeln werden mit einem Messer grob zerkleinert und in ein gut ausgewaschenes Marmeladenglas gefüllt. Anschließend werden sie mit dem Schnaps aufgegossen. Dieser Ansatz sollte 10-14 Tage lang an einem hellen Ort, aber ohne direkte Sonneneinstrahlung ziehen. Täglich einmal gut durchschütteln! Nach der Ziehzeit werden die Nadeln abgefiltert und der Ansatzschnaps gemeinsam mit dem ätherischen Kampfer-Öl in eine passende Flasche gefüllt. Nun ist die Einreibung fertig und kann nach dem Wandern auf die Beine aufgetragen und sanft einmassiert werden.

 

Achtung! Die Anwendung sollte nicht über einen längeren Zeitraum angewendet werden, weil durch den Alkohol die Haut stark austrocknet. Für die Anwendung bei offenen Wunden ist die Einreibung ebenfalls nicht geeignet.

Fichtenwipferl

Zu dem wohl bekanntesten Schätzen des Waldes gehören die jungen Triebspitzen der Nadelbäume, die im Mai und Juni gesammelt werden können. Im Pinzgau sind sie auch unter dem Namen Mai- bzw. Fichtenwipferl oder Sprengling bekannt. Aus diesen Triebspitzen – meisten werden die von der Fichte verwendet - wird traditionell Hustensaft hergestellt. Nicht unbedingt ein Heilmittel, aber mit Sicherheit ein Wundermittel für die Seele: schokolierte Maiwipferl. Dazu werden die Fichtenspitzen einfach in geschmolzene Zartbitterschokolade getaucht und zum Trocknen auf Backpapier gelegt. Ist die Schokolade ausgehärtet, können die köstlichen Waldpralinen verspeist werden. Schaut doch bei eurer nächsten Wanderung einmal genauer hin, welche Schätze ihr im Wald entdeckt und mitnehmen könnt. Und mit der Einreibung im Gepäck ist euch eine lässige und muskelkaterfreie Wandersaison garantiert.

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