© Edith Danzer
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Süßes Oster-Kranzerl

Elfriede Stegers Osterrezept

Süß und untrennbar mit Ostern verbunden ist das geflochtene Osterkranzerl, das in Saalbach Hinterglemm traditionell am Ostersonntag an Patenkinder und die Familie verschenkt wird. Für Saalbach Stories traf ich mich mit Elfriede Steger, die mir ihr Rezept für’s süße Kranzerl verraten hat.

Elfriede und Rudi Steger führten das Hotel Barbarahof in Saalbach. Im Sommer 2016 hat Sohn Roland mit seiner Frau Katrin den Betrieb übernommen. Doch Elfriede ist nach wie vor Chefin der Hotelküche. Sie ist eine gebürtige Glemmerin und mit drei Schwestern am nahen Unterreithhof aufgewachsen. Gern erinnert sie sich an die Osterbräuche, die in der Familie zelebriert wurden.

 

Von Palmeseln und Karfreitagsniedei

„Am Palmsonntag hieß es früh aufstehen um nicht den Titel ,Palmesel’ zu bekommen. Danach gingen wir mit unseren frisch gebundenen Palmbuschen, die wir mit buntem Krepppapier schmückten, zur Kirche. Die geweihten Palmzweige wurden danach in den Herrgottswinkel in der Stube gestellt. Das brachte Glück und Segen fürs ganze Haus. Der alte Buschen wurde eingeheizt und zog im Sommer ein schlimmes Gewitter auf, verbrannten wir einen Zweig des geweihten Palmbuschens im offenen Feuer. Am Gründonnerstag wurden immer die Ostereier gefärbt. Traditionell mit ,Oakreitl’ - also frischen Wiesenblumen und Kräutern wie Schlüsselblume oder Schafgarbe. Im Zwiebelsud mit Essig erhielten sie ihre typische braune Marmorierung. Der Karfreitag war ein strenger Fastentag, an dem es aber immer meine Lieblingsspeise gab: Karfreitagsniedei mit Sauerkraut!“, erinnert sie sich lachend zurück, während wir in ihrer gemütlichen Küche sitzen und sie die Zutaten für die Osterkranzerl bereitstellt.

Geschenk an die Patenkinder

Elfriede Steger mischt die Zutaten und knetet den Teig mit der Hand, bis er schön geschmeidig ist. „Jetzt muss er rasten“, verkündet sie und erzählt weiter von ihren Ostererinnerungen: „Am Ostersamstag gingen wir abends gerne in die Kirche. Dann wurde das Taufwasser geweiht und die Osternacht gefeiert. Jeder bekam bei dieser Messe eine Kerze, die in der abgedunkelten Kirche entzündet wurde. Auch heute noch besuche ich diese Ostersamstag-Abendmesse um 21:00 Uhr gerne in die Saalbacher Pfarrkirche.“ Mittlerweile ist der Teig schön aufgegangen und flink teilt ihn Elfriede Steger in 18 Teile. Jedes Stück wird mit flacher Hand zu einer langen Rolle gedreht und mit geübten Händen entstehen sechs gleichmäßige Zöpfe. Am Backblech zu Kränzen gelegt wandern sie in den Ofen während Elfriede erzählt: „Am Ostersonntag wurde der Korb für die Speisenweihe schön geschmückt und nach alter Tradition gefüllt. Hinein kamen: Brot, Speck, Ostereier, Salz, Butter und Ostergebäck. Nach der Weihe setzte sich die ganze Familie daheim zur Osterjause, wo natürlich das Eierpecken auch nicht fehlen durfte. Dafür durften wir nur nicht die geweihten Eier aus dem Korb nehmen, denn das brachte Unglück. Wessen Ei beim Eierpecken zerbrach musste es an den Sieger abgeben. Danach wurden im Garten die Osternesterl gesucht - gefüllt mit Ostereiern und bescheidenen Geschenken.“

Weitergabe des Brauchtums

Während die Osterkranzl schon goldgelb aus dem Backrohr lachen und ein süßer Duft die Küche erfüllt, erzählt Elfriede: „Die Kranzl sind für mich untrennbar mit Ostern verbunden und rufen Kindheitserinnerungen wach. Wir bekamen sie immer von unseren Patentanten oder Patenonkeln an Ostern geschenkt. All die Bräuche und Traditionen, die wir aus unserer Kindheit von Ostern kennen, haben mein Mann Rudi und ich auch an unsere zwei Töchter und Sohn Roland weiteregegeben. Wir haben mittlerweile drei Enkelkinder, die ebenfalls diese Bräuche kennenlernen sollen.“ Mittlerweile hat Elfriede die duftenden Kranzerl zum Auskühlen aus dem Ofen geholt. Für die Osterkranzerl stellt sich Elfriede auch heute gern noch an den Herd und meint: „Wenn zu Ostern der Barbarahof noch geöffnet ist, bekommen auch alle Hausgäste ein Kranzerl. Sonst backe ich es nur für Patenkinder und Familie.“ Sorgsam platziert Elfriede nun in die Mitte jedes Gebäcks ein buntes Osterei und präsentiert stolz ihre fertigen Osterkranzerl. Natürlich wird eins der Kranzerl gleich verkostet – wie es bei Elfriede üblich ist, mit Butter und selbstgemachter Marillenmarmelade!

Zutaten für 6 Kranzerl:

  • 400 g glattes Mehl
  • 1 Päckchen Trockengerm (Trockenhefe)
  • ½ TL Salz
  • 1 Päckchen Vanillezucker
  • Etwas Abrieb von einer Bio-Zitrone
  • 50 g Zucker
  • 50 g Butter, zimmerwarm
  • 2 Eier, zimmerwarm
  • 1/8 l Milch, lauwarm
  • 1 Eidotter mit einem Schuss Milch zum Bestreichen
  • Etwas Hagelzucker zum Bestreuen

 

Zubereitung:

Das Mehl in eine Schüssel sieben und den Trockengerm gut mit dem Mehl vermischen. Salz, Vanillezucker, Zitronenabrieb, Zucker, Butter, Eier und lauwarme Milch zugeben und mit den Händen gut verkneten. Den Teig auf eine bemehlte Arbeitsfläche geben und so lange weiterkneten, bis er glatt und geschmeidig ist. Der Teig kann auch mit der Küchenmaschine geknetet werden. Den Teig nun in die Schüssel zurücklegen und zugedeckt eine Stunde lang rasten lassen. Danach die Masse auf einer bemehlten Arbeitsfläche in 18 gleich große Teile teilen. Jeweils drei Teile zu langen, etwa daumendicken Rollen formen und diese zu einem schönen Zopf flechten. Den Zopf auf einem gefetteten Blech zu einem Kranz formen und die Enden gut verschließen. Mit den restlichen Teigstücken gleich verfahren, bis 6 Kränze am Blech liegen. Diese mit dem Dotter-Milch-Gemisch einpinseln, mit Hagelzucker bestreuen und nochmals 10 Minuten gehen lassen. Im Anschluss die Kränze im Backrohr bei 180 °C 30 Minuten lang backen. Wenn die Kranzerl ausgekühlt sind, setzt man in die Mitte ein buntes Osterei.

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