Schnitza mit Josef und Maria | © Edith Danzer
  • Tradition

Schnitza's Krippenwerkstatt

Die Entstehung der Dorfkrippe von Saalbach Hinterglemm

Eine Herzensangelegenheit nimmt in der Werkstatt des Glemmer Holz-Künstlers Herbert „Schnitza“ Aschaber Gestalt an. Im Auftrag der Gemeinde erstellt er die Protagonisten der biblischen Herbergssuche für die Dorfkrippe, die ab dem ersten Adventwochenende im Musikpavillon am Saalbacher Dorfplatz zu bewundern ist.

Beim Eintreten in die Holzwerkstatt in der ehemaligen Tiefgarage des Alpine Palace in Hinterglemm werde ich nicht nur vom würzigen Duft des Holzes empfangen. Zwischen den Holzspänen und gelagerten Holzstämmen taucht auch schnell der Haarschopf von „Schnitza“ auf, und mit einem herzlichen „Grias Di“ und einem festen Händedruck heißt er mich in seiner kreativen Wirkungsstätte willkommen. Eigentlich heißt er ja Herbert Aschaber, doch in Saalbach Hinterglemm nennt ihn jeder „Schnitza“. Nomen est Omen, denn Schnitza’s Leidenschaft ist das Holz.

Eine echte Herzensg’schicht!

Im Sommer betreibt er mit seiner Frau Michaela das naturnahe Erlebnisareal „Schnitza’s Holzpark“ im Talschluss. Und vor einigen Jahren hat sich der gelernte Holzbildhauer mit seinem künstlerischen Kompagnon Florian Breitfuß zusammen getan und unter dem Label „GlemmArt“ erstellen sie wertvolles Mobiliar für Hotels und Betriebe. Doch die Saalbach Hinterglemmer Dorfkrippe ist so eine echte Herzensg’schicht für den Schnitza, wie er erzählt: „Seit 20 Jahren will ich diese Krippe schon umsetzen, doch erst beim Holzsymposium im Jahr 2015 kam der Stein ins Rollen. Ich wurde mit meinen Skizzen und einer Präsentations-Figur bei der Gemeinde vorstellig und bekam das OK für dieses mehrjährige Projekt.“

Fast ehrfürchtig gruppiert Schnitza die bereits fertiggestellten Figuren von Josef und Maria mit dem Jesuskind für meine Kamera und meint: „Die Krippenfiguren sind bewusst nicht im barocken Stil gehalten und sie haben auch keine Gesichter. Sie lassen den Eltern Spielraum, ihren Kindern die Geschichte der Herbergssuche zu erzählen. Und vieles eröffnet sich erst bei näherer Betrachtung. So wurden Josef und Maria zum Beispiel aus einem einzelnen Zirben-Stamm geschnitzt. Für das Jesuskind habe ich viele verschiedene Hölzer verwendet - Hainbuche, Birne und Lärche - denn durch seine Vorbestimmung vereint Jesus ja auch vieles. Manche Figuren werden aber auch überraschen und zum Nachdenken anregen. So wie der ,helle heilige Stern’. In unserer Krippe ist es eine Nahbetrachtung - ein verglühter Meteorit. Für diesen Stern habe ich Schwemmholz aus Italien mit Teilen eines alten Couchtischs kombiniert.“

 

Krippenszene mit Interpretationsspielraum

Ochs und Esel, die Heilige Familie, die Hirten mit Hirtenkind und der Komet bilden die erste Phase dieser Dorfkrippe, doch bei einer Figur mit leuchtend roten Schuhen rätsle ich. Lachend erklärt mir Schnitza: „Das ist das ,Mädchen aus der Stadt‘ - meine eigene Interpretation. Man kann die Herbergsgeschichte nämlich auch versöhnlicher erzählen: Die Unterkünfte in Betlehem waren wegen der Volkszählung einfach alle überfüllt und keiner konnte das Paar aufnehmen, das schließlich im Stall ihr Quartier fand. Das tat den Stadtbewohnern leid, und sie gingen nachsehen, ob sie es gut hatten. So taucht auch das Mädchen aus der Stadt in dieser Krippe auf. Und später einmal auch der Wirt, der, als versöhnliche Geste, Essen in den Stall bringt. Doch eigentlich möchte ich, dass sich die Leute selbst Gedanken machen und interpretieren - die Krippe erzählt ihre Geschichte, wenn man hinsieht.“

Obelisken und die heiligen Drei Könige

Hinsehen wird man auch auf den mächtigen Obelisken aus einem Ahornstamm, den Schnitza nun in Angriff nimmt und mit der Kettensäge zurechtschneidet. Zwischen spritzenden Holzspänen und dem Kreischen der Säge meint er: „Das ist mein persönliches Highlight - ein Schriftobelisk, wie er im alten Ägypten verwendet wurde, um Gesetzmäßigkeiten zu manifestieren. Auf diesem Obelisken werden in Zukunft die fünf Weltreligionen Platz finden. Damit will ich keinesfalls provozieren. Doch egal, welcher Religion wir zugehören, es ist unsere Hingabe ans Leben, die uns ausmacht.“ Die Saalbach Hinterglemmer Dorfkrippe ist ein mehrjähriges Projekt des Künstlers. „Die heiligen Drei Könige fehlen natürlich noch mit ihrem eindrucksvollen Gefolge. Dabei wird natürlich auch ein Kamel sein. Auch der Verkündigungsengel, Schafe und eben der versöhnliche Wirt. Mein Ziel ist es, der Krippe Leben einzuhauchen und die Menschen zum Nachdenken anzuregen. In vielen Häusern ist die Krippe nämlich zu einem reinen Deko-Element verkommen, das an Weihnachten aus dem Kasten geholt wird. Mein Wunsch wäre es auch, dass die einzelnen Figuren der Dorfkrippe nach dem Abbau nicht irgendwo im Dunkeln eingelagert werden. Schön wäre es, wenn sich Hotels und Betriebe finden würden, die die Figuren als Leihgabe bei sich aufnehmen und ausstellen. Im nächsten Advent kommen dann wieder alle Figuren zusammen.“

 

Für alle Einheimischen und Gäste heißt es in Saalbach Hinterglemm ab sofort also in der Weihnachtszeit nun: „Gemma Glemmer Kripperl schaun!“ Die Dorfkrippe ist vom ersten Adventwochenende bis zum 6. Jänner im Musikpavillon am Dorfplatz in Saalbach aufgestellt.

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