Die Wegmacher | © Edith Danzer
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Die Wegmacher

Gepflegter Wandergenuss

Die Wanderweg-Betreuer in Saalbach Hinterglemm sind die Wegbereiter für höchsten Wandergenuss. Sie pflegen jeden Sommer unzählige Kilometer Wanderpfade und sorgen mit bequemen Überstiegen, Stufen, Brücken und Bänken für Sicherheit auf allen Wanderwegen. Saalbach Stories begleitete die „Wegmacher“ des Home of Lässig einen Tag lang bei ihrer Arbeit und durfte bei den Erhaltungsarbeiten über die Schulter blicken.

„Haue, Schaufel, Rechen, Pinsel, Farbe, Motorsense... Alles eingeladen. Einsteigen, es geht los!“, verkündet Hans Eder voller Motivation um 7 Uhr morgens an der Werkstatt der Wegmacher in Hinterglemm. Jeden Tag um diese Zeit starten die fünf Wegmacher in zwei Partien hinein ins 400 Kilometer lange Wanderwege-Netz von Saalbach Hinterglemm. Für eine Partie geht es heute weit hinauf, um unterhalb des Tristkogels einen neuen Überstieg zu bauen. Diese aus Holz gezimmerten Überstiege ermöglichen den Wanderern ein bequemes Überwinden der elektrischen Weidezäune. „Mit dem Auto kommen wir zwar hoch hinauf, trotzdem müssen wir das Holz und das Werkzeug am Rücken über eine Stunde lang nach oben tragen. Und heute wird es richtig heiß...“, entschuldigen sich die Wegmacher dieser Truppe für ihren abrupten Aufbruch.

Wasser – der Feind der Wanderwege

Gemeinsam mit Hans Eder, der auch als staatlich geprüfter Wanderführer jede Woche mit Gästen im Gebiet ist, und seinem Team mache ich mich auf zum Reiterkogel. Hier müssen Wanderwege neu markiert und Aussichtsbänke vom hohen Gras befreit werden. Während Steff Kendler die Schutzkleidung für die Motorsense anlegt und sorgfältig das hochgewachsene Gras um die Bänke mäht, montiert sein Kollege Herbert Kendler die nagelneuen gelben Wanderschilder. „Diese Wegweiser sind international einheitlich und selbst im Nebel gut sichtbar. Bis zum Ende dieser Wandersaison haben wir sie im ganzen Gebiet montiert“, erklären mir die Wegmacher. Von April bis November sind sie im Gebiet unterwegs und sanieren Wege. „Die gröbsten Schäden entstehen an den Wegen durch abfließendes Wasser, wenn die errichteten Drainagen verlegt sind. Daher ist die Spitzhaue unser ständiger Begleiter – mit ihr putzen wir die Entwässerungsgräben aus und befreien die Wege von angeschwemmtem Schotter.  Die meiste Arbeit haben wir im April, wenn nach der Schneeschmelze eine Grobsanierung aller Wege in Angriff genommen wird. Mit Beginn der Wandersaison sind alle Wege – speziell die vielbegangenen Wege in Liftnähe – wieder gefahrlos begehbar und wir kümmern uns um erhaltende Arbeiten und um weiter abgelegene Wege.“

Unterwegs bei jedem Wetter

 Zu den erhaltenden Arbeiten gehört auch die Markierung der Wege. Dazu werden mir kurzerhand selbst ein Eimer mit roter Farbe und ein Pinsel in die Hand gedrückt und mit Fred Bachmann marschiere ich los. Er ist einer der am längsten dienenden Wanderweg-Betreuer im Glemmtal. Auf markanten Steinen hinterlassen wir mit zügigem Pinselstrich eine weiß-rote Markierung, die Wanderern dabei hilft, am richtigen Weg zu bleiben.  Ich finde das Pinseln ganz lustig, doch auf 400 Wanderkilometern kann auch diese Arbeit sehr mühselig werden. Mühselig sind auch Wetterkapriolen, wie mir Fred mit einem Blick in den heute wolkenlosen Himmel erzählt: „Es kam schon vor, dass ein nächtliches Unwetter genau jene Wege zerstört hat, die wir am Tag zuvor gerade saniert hatten. Wir sind übrigens bei jedem Wetter auf den Wegen unterwegs – Wetterschicht gibt’s bei uns keine. Nur wenn es gar zu arg wird, dann verlegen wir die Arbeit in die Werkstatt. Dort bereiten wir etwa Holzpflöcke für Treppen vor. Auf besonders steilen Wegen wie übers Bürgl oder auf der Amsel bauen wir diese Lärchenstufen für ein sicheres Begehen ein.“

 

Mittlerweile ist es Mittag geworden und wir alle packen unsere mitgebrachten Jausen-Boxen aus den Rucksäcken aus. Bei Speck, Käse, Brot und Butter lassen wir uns in der Sonne auf den Almwiesen nieder und stärken uns. Trotz der körperlich anstrengenden Arbeit blicke ich rundum in glückliche Gesichter. Auf meine Frage, ob sie einen schönen Arbeitsplatz hätten, nicken alle bestätigend und meinen: „Wir sind in der freien Natur! Die Arbeit ist abwechslungsreich und jeder Tag ist eine neue Herausforderung. Wenn das Wetter so traumhaft schön ist wie heute, dann ist es natürlich ein Genuss, aber auch wenn es regnet oder schneit ist es eine erfüllende Arbeit. Rehe, Gämsen, Adler oder Murmeltiere sind ein täglicher Anblick für uns. Fast schon ein gewohntes Bild, und doch ist es immer wieder schön auf den Wanderwegen des Glemmtals unterwegs zu sein.“  

Fertig sind wir nie

Bei 400 Kilometern Wanderwege endet die Arbeit nie. Denn sind die beiden Trupps an einem Ende des Wegnetzes angekommen, fangen sie gleich wieder von vorne mit der Wegsanierung an. Oft erreicht sie auch mittendrin ein Anruf, dass eine akute Arbeit zu erledigen sei – etwa, wenn nach einem Sturm ein Baum einen Weg blockiert. Dann eilt ein Team zur Behebung des Schadens. Meist bleibt ihre Arbeit im Verborgenen, doch treffen sie auf Wanderer, geben sie gerne Auskunft über ihre Tätigkeit. „Wir werden natürlich auch oft zum Wandergebiet befragt und geben Infos über die Region. Einige von uns sind selbst Wanderführer und wir alle kennen die Berge hier natürlich wie unsere Westentasche. Wir erledigen unsere Arbeiten mit großer Genauigkeit, denn schließlich wollen wir ja selbst auch auf schönen Wegen wandern“,  meinen sie und langsam ist es Zeit für mich ins Tal zurückzukehren. Die Wanderführer allerdings werden auch an diesem Tag bis 17 Uhr mit Haue und Rechen unterwegs sein, um auf den Wanderwegen für Sicherheit und höchsten Wander-Komfort zu sorgen.

 

 

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