Bachischneid | Saalbach Hinterglemm
Bachischneid | © Edith Danzer
  • Tradition

Bachischneid

Die Leoganger Hüttschmiede sorgt für eine gute Schneid

Es ist ein alter Weihnachtsbrauch, wenn man im Pinzgau an Weihnachten den Schleifstein schwingt, um den Messern im Haushalt eine perfekte Schneid zu verpassen. Dieser Schliff, so sagt man, soll ein ganzes Jahr lang halten. Die alte Hüttschmiede in Leogang öffnet auch heuer wieder am 23. Dezember ihre Pforten und Schmiede drehen die Schleifsteine. Jeder kann seine Messer für den guten Schliff vorbeibringen und den Schmieden bei Glühwein und Keksen bei ihrem alten Handwerk über die Schulter schauen.

Der 24. Dezember wird im Pinzgau manchmal auch noch der Bachitag genannt. Genauso unterschiedlich wie die Schreibweise (Bachel, Bachö, Bache) sind auch die mit diesem Tag verknüpften Traditionen. Das Bachikoch – ein süßer Brei aus Mehl, Milch und Honig – ist das typische Weihnachts-Mittagessen schlechthin. Auch das Rach’n geh – das Räuchern des Hauses mit Weihrauch und Kräutern – ist noch heute fixer Bestandteil der Rituale an Weihnachten.

Die Bachischneid

Bevor man sich dann gemütlich mit der Familie zur Weihnachtsfeier in der Stube zusammenfand, mussten früher auf den Bauernhöfen noch einige Arbeiten verrichtet werden. So sorgte der Bauer am 24. Dezember noch bei allen Messern im Haus für eine gute Schneid. Sigmund Riedlsperger, Organisator der alten Hüttschmiede in Leogang-Hütten, weiß zu berichten: „Ein schneidiges Messer war an Weihnachten besonders wichtig, um das, der Bäuerin manchmal zu hart geratene, Kletzenbrot zu zerteilen. Oder um das frisch aus der Selchkammer geholte Bachi Speck (ganzes Stück Speck) hauchdünn aufzuschneiden. Währenddessen holte früher ein Knecht den Bachiboschn aus dem Wald - ein kleines Fichtenbäumchen, das von oben durch den Kamin gezogen wurde, um diesen von Ruß und Pech zu reinigen.“

Die auf 1599 datierende Hüttschmiede in Leogang wurde von Siegmund Riedlsperger und seinen Kollegen vor einigen Jahren als Schauschmiede reaktiviert und kann von Mai bis Oktober jeden Mittwoch besichtigt werden. Am 23. Dezember jedoch öffnet die alte Schmiede ihre Tore für die traditionelle Bachischneid und Siegmund Riedlsperger erzählt: „Dieses Jahr sind wir wieder ab 13 Uhr mit unseren Schmieden vor Ort, um für eine gute Schneid zu sorgen. Bei Glühwein, Tee und Kletznbrot können die Gäste ,hoagaschtn’, während wir die Messer auf den Schleifsteinen bearbeiten. Man sagt der Bachischneid nach, dass sie ein ganzes Jahr halte. Das Geheimnis ist, dass man eine kalte Schneid auf einem Naturstein macht, der im Wasser läuft.“

Während Adam Grundner, pensionierter Schmied aus Saalfelden, das Feuer in der Esse zum Lodern bringt, um noch schnell ein paar Nägel per Hand zu schmieden, rattert die antike Schleifanlage bereits auf Hochtouren. „Man muss das Messer sorgfältig anschleifen, bis nur ein ganz dünner Faden auf der Klinge stehenbleibt“, erklärt er, als er sich mit einem großen Küchenmesser zum Schleifstein stellt. „Diesen Faden stoße ich dann durch das Abziehen per Hand ab. Während wir Schmiede mit dem Schleifen der mitgebrachten Messer beschäftigt sind, geht am Bachischneid-Tag immer ,a Fleck Hoagascht’ auf!“, sagt Adam Grundner und meint, dass die Gäste sich blendend unterhalten.

 

Kontakt

Hüttschmiede Leogang
Bergbau- & Gotikmuseum Leogang
5771 Leogang
info@museum-leogang.at
www.museum-leogang.at/huettschmiede

Themenverwandte Beiträge

  • Kulinarik
Kathi’s Kletzenbrot. | © Edith Danzer

Kathi’s Kletzenbrot

Edith Danzer
  • Tradition
Schnitza mit Josef und Maria | © Edith Danzer
  • Kulinarik
30 verschiedene Schnäpse und Liköre | © Edith Danzer

Edle Tropfen

Edith Danzer
  • Tradition
Die Stoakoglerpass aus Hinterlgemm | © c Daniel Roos