St. Nicholas moves from house to house
  • Tradition

Auf eine Tasse Tee mit dem Nikolaus

Wir haben uns mit dem Nikolaus zu einer Tasse Tee getroffen und uns über lustige Erlebnisse, strahlende Kinderaugen und lebendiges Brauchtum unterhalten.

Die Weihnachtszeit steht vor der Tür und mit ihr begegnen wir im Glemmtal unterschiedlichsten Bräuchen.

Die meisten dieser Bräuche basieren auf einer langen Tradition, über deren Ursprung es unterschiedliche Theorien gibt. Andere, wie der des Adventkranzes zum Beispiel, begleiten die Menschen in der jetzigen Form erst seit wenigen Jahrhunderten. Oft haben unsere „modernen“ Bräuche aber Wurzeln, die weit zurückreichen. Der Weihnachtsbaum wurde in seiner ursprünglichsten Form – dem Wintergrün – schon bei den Kelten in der dunklen Jahreszeit in die Häuser geholt, der Adventkranz symbolisiert mit seinem Grün das Leben und mit den Kerzen den Geist als Verbindung nach „oben“ und der Nikolaus spiegelt einen in Europa bekannten Archetyp wider, der auch in der modernen Gesellschaft immer wieder auftaucht. 

Der Ursprung des heutigen Nikolaus

In der kirchlichen Lehre der Katholiken gehen der moderne Weihnachtsmann wie sein Vorgänger der Nikolaus auf den Bischof Nikolaus zurück, der zwischen 280 und 286 in Patara (in der heutigen Türkei) geboren wurde. Heute zählt der Bischof zu den meistverehrten Heiligen der Christenheit. Sein Todestag war ein 6. Dezember zwischen 345 und 351 – der heutige Nikolaustag. Unterschiedliche Legenden und Überlieferungen formten wohl das Bild des Nikolaus das sich von der ursprünglichen Form des Bischofs mehr und mehr entfernte. Man vermutet, dass der heutige „Nikolaus“ eine Verschmelzung zweier historischer Personen ist: des Bischofs von Myra und des Abts Nikolaus von Sion. 

 

Dass der Nikolaus Geschenke bringt, könnte auf das mittelalterliche Bischofsspiel zurückgehen. In Klosterschulen wurde zu bestimmten Tagen ein Schüler als Bischof oder Abt bestimmt – er kleidete sich in feine Gewänder und durfte seine Mitschüler für gutes Benehmen belohnen und für schlechtes Verhalten bestrafen. 

 

Über die Jahrhunderte hat sich der Brauch dahin gehend gefestigt, dass der Nikolaus mit seinem weißen Rauschebart, seinem roten Mantel und seinen schwarzen Stiefeln von Haus zu Haus zieht. Brave Kinder werden mit kleinen Leckereien beschenkt, unartige Kinder ermahnt. Die grimmigen Begleiter des Nikolaus – die Krampusse – unterstreichen die Ernsthaftigkeit der eindringlichen Worte. 

 

Unterschiedliche Kulturanthropologen sehen im Nikolaus eine Erscheinung eines Archetyps, der die heiligen Farben Weiß, Rot und Schwarz vereint. Tiere, die diese Farben aufweisen, wie zum Beispiel der Storch oder der Marienkäfer, galten bei unseren Vorfahren als ganz besondere Geschöpfe und als Vermittler zwischen den Welten. Die Geschenke, die der Nikolaus bringt, erinnern an die Totenspeisen, die früher besonders in der dunklen Jahreszeit für die Ahnen bereitgelegt wurden. Darunter befanden sich Nüsse, Milch und Süßspeisen. Auch die aktuelle Werbung greift immer wieder auf diesen Archetyp zurück – beliebte Limonaden und Schokoladen werden vom Weihnachtsmann serviert. 

Der Nikolaus klopft an 

In der Gegenwart ist es in den Alpen Brauch, dass der Nikolaus mit den Krampussen durch die Straßen zieht und die Kinder des Ortes besucht. Sein goldener Stab schenkt ihm Weisheit und Güte und im goldenen Buch liest er über das Benehmen der Kinder im vergangenen Jahr. Brave Kinder erhalten ein Nikolaus-Säckchen mit Nüssen, Mandarinen und Schokolade, schlimme Kinder werden ermahnt, sich in Zukunft besser zu benehmen. Wenn die Kinder Besserung geloben, findet der Nikolaus in seinem Korb meist doch noch ein Säckchen für das Kind. 

 

Eine Tasse Tee mit dem Nikolaus 

Auch in Saalbach gehört es mittlerweile wieder zur Tradition, dass der Nikolaus mit seinen grimmigen Gefährten von Haus zu Haus zieht und die Kinder des Ortes besucht. Zu seinen wichtigsten Utensilien gehören der Korb mit den Nikolaus-Säckchen, das liebevoll geschnitzte Buch und der goldene Stab. Wir haben Andi getroffen – einer von zwei Nikoläusen des „Stoakogler-Passes“, die auch in diesem Jahr (natürlich im Rahmen der geltenden Auflagen) für den guten Zweck unterwegs sind. 

 

Gleich zu Beginn sticht uns das liebevoll gefertigte Buch des Nikolaus ins Auge. Dieses, sowie der goldene Stab, stammen vom Holzkünstler Sebastian Eder aus dem nahe gelegenen St. Georgen. Das Buch ist mit Aufzeichnungen über die Kinder bestückt, die besucht werden. Im Laufe der Abende füllt es sich außerdem mit Zeichnungen und Gedichten der Kleinen. 

 

Als besondere Begrüßung der Kinder gibt’s ein vom Nikolaus und seinen motivierten Gefährten eigens geschriebenes Gedicht. Mit den Worten: "Grias enk God, es liabn Leid!" wird der lang ersehnte Besuch typisch Pinzgauerisch eingeleitet. Anschließend können die Kinder Gedichte und Lieder vortragen. Danach werden die Kids einzeln aufgerufen, der Nikolaus liest aus dem goldenen Buch vor und teilt die Säckchen aus. 

5 Fragen an den Nikolaus 

 

Was packt der Nikolaus in die Säckchen, die an die Kinder ausgeteilt werden? 

Bei uns kommen Nüsse, Mandarinen, Schokolade und beliebte Süßigkeiten in die roten Sackerl. Beim Sackerl-Packen sind viele helfende Hände gefragt – insgesamt möchten am 04., 05. und 06. Dezember durchschnittlich 80 Kinder in fast 30 Häusern beschenkt werden. 

 

Wie lange dauern die Vorbereitungen für die Nikolaus-Besuche? 

Mit dem Verein generell sind wir das ganze Jahr über beschäftigt. Wir veranstalten im Sommer gemeinsame Feste, feilen an unserer Ausrüstung und pflegen die Kameradschaft. Die Vorbereitungen für die Hausbesuche selbst dauern ungefähr drei bis vier Wochen. Wir befüllen die Säckchen, sammeln die Informationen über die Kinder, kümmern uns um Organisatorisches. 

 

Welche Gefährten begleiten den Nikolaus zu den Hausbesuchen? 

Aufgrund der großen Nachfrage haben wir uns in zwei Gruppen aufgeteilt. Je ein Nikolaus zieht mit zwei bis drei Krampussen und einem Engel umher. Die Krampusse der „Stoakogler-Pass“ unterstreichen die mahnenden Worte und faszinieren schon die Kleinsten. Die Pass gibt es nun schon das 12. Jahr und freut sich über regen Nachwuchs. 

 

Was begeistert dich an deiner Arbeit als Nikolaus ganz besonders? 

Die strahlenden Kinderaugen sind ganz besonders schön. Wenn sie uns kommen sehen, sind sie auf der einen Seite voller Vorfreude und Aufregung und auf der anderen Seite haben sie Respekt vor den Krampussen. Es ist ein Anlass, über sein eigenes Verhalten nachzudenken. Jedes Kind freut sich, vom Nikolaus gelobt zu werden. Mit den besten Vorsätzen starten die Kids dann ins nächste Jahr – im letzten Jahr hat der Nikolaus ganze 15 Schnuller zur Verwahrung bekommen. Außerdem kommen die Einnahmen einem guten Zweck zugute. Das treibt an.

 

Was macht der Nikolaus, wenn er Feierabend hat?

Nach dem letzten Hausbesuch wird gemeinsam auf die geleistete Arbeit angestoßen. Aber nach dem Einsatz ist vor dem Einsatz beim „Stoakogler-Pass“. Im Jänner nämlich ziehen sie als Perchten umher und treiben den Winter aus. Ohne Rute und mit wunderschön geschnitzten Masken besuchen sie die Hotels im Tal und beGEISTern die Gäste. 

 

Und jetzt muss der Nikolaus schon wieder weiter – weil sich Nikolaus-Säckchen nicht selbst packen, Geschenkslisten nicht selbst schreiben und die glänzenden Nikolaus-Stiefel nicht selbst polieren. 

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