- Tradition
Ranggeln – die älteste Kampfsportart im Alpenraum
Auch in diesem Jahr stehen im Rahmen der Sonderausstellung im Heimathaus Saalbach alpine Tradition und überliefertes Wissen im Fokus.
Unter dem Motto: "Das Ranggeln – die älteste Kampfsportart im Alpenraum, seit 2010 immaterielles Kulturerbe der UNESCO & der Rangglerverein Saalbach" verwandeln sich die historischen Räumlichkeiten in informative Schauplätze. Woher stammt das Wort „Haogmoar“, wo liegen die Ursprünge der Kampfsportart, die schon die Kelten kannten und warum geht’s gerade am Hundstein nach wie vor um die „Schneid“? Die Antworten darauf und viele weitere gibt’s ab sofort zu entdecken.
Das Ranggeln – die älteste Kampfsportart im Alpenraum
Das Ranggeln am Hundstein zählt seit 2010 zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Das sogenannte Hundstein-Edikt stammt aus dem Jahr 1518 und bestätigt das regelmäßige Kräftemessen am Gipfel des markanten Berges am Jakobstag, das bis heute jedes Jahr stattfindet. In dem Schreiben weist Leonhard von Keutschach, der Erzbischof von Salzburg, den Pfleger Sigmund Graf zu Schernberg an, das Preisgeld nicht zu hoch anzusetzen, da dies nach dem offiziellen „Hosenrecken“ regelmäßig zu Zank, Streit und Schlägereien führe. Eine Abbildung des Edikts wird in der Ausstellung gezeigt.
Die Ursprünge der Kampfsportart liegen aber höchstwahrscheinlich noch viel weiter zurück. Vor rund 2500 Jahren hatten die Kelten bereits weite Teile Europas besiedelt. Den ältesten Hinweis auf keltische Ringer in Österreich findet man auf einer Schwertscheide aus einem Hallstatt-Grab (400 bis 350 vor Christus), auf der zwei auf dem Boden ringende Männer zu sehen sind. Die keltische Art des Ringens hat sich in ihrer ursprünglichen Form in ganz Westeuropa in verschiedenen Stilrichtungen erhalten. Im Alpenraum ist dies unter anderem das Ranggeln.
Die Heimatforscherin Ilka Peter hat in ihrem Buch „Das Ranggeln im Pinzgau“ nachgewiesen, dass das Ranggeln nicht nur eine Sportart der bäuerlichen Bevölkerung, sondern auch der Ritter war. Sie analysierte Texte und Zeichnungen aus dem „Fecht und Ringbuch“ Albrecht Dürers. Beim heutigen Ranggeln gibt es Griffe und Würfe, die vor mindestens 600 Jahren gleich angewendet wurden.
Ein Großteil des Wissens, das wir jetzt haben, ist mündlich überliefert oder stammt aus den Büchern von unterschiedlichen Volkskundlern. Unter anderem aus:
- Günther Heim: Hundstoa Ranggeln – Mythos, Kult, Tradition
- Ilka Peter: Das Ranggeln im Pinzgau und verwandte Kampfformen in anderen Alpenländern
- Josef Giezinger: Das Ranggeln als bäuerlich-sportliches Brauchtum im Lande Salzburg
- Conrad Nusko: Das Ranggeln am Hundstoa
Man vermutet, dass die „Schneidfeder“, welche früher als Hauptgewinn beim Ranggeln vergeben wurde, auf den Ausruf „Host a Schneid?“ zurückgeht. Schneid = Mut/Kraft
Der Ranggel-Verein Saalbach
Obwohl das Ranggeln im Tal schon immer bekannt und beliebt war, war die Sportart bis in die 1980er-Jahre in Saalbach noch nicht in einem Verein organisiert. Mit dem Zuzug des Spitzenrangglers Hans Struber ins Glemmtal im Jahr 1967 begann man in der Volksschule Wiesern mit dem Ranggel-Training. Dem unermüdlichen Einsatz vieler begeisterter Ranggel-Freunde ist es zu verdanken, dass sich dieser Sport auch im Tal zunehmender Beliebtheit erfreute und regelmäßige Trainings stattfinden konnten. Darüber hinaus wurden über viele Jahre private Fahrgemeinschaften organisiert, damit vor allem der Ranggler-Nachwuchs an Bewerben im gesamten Alpenraum teilnehmen konnte.
Die offizielle Gründung des Vereins erfolgte im Jahr 1980. Für die aktuelle Ausstellung haben sich die Gründungsmitglieder erneut versammelt.
Die Saalbacher haben seit jeher einen starken Namen und bereits sieben Mal den Hundstoa-Haogmoar gestellt. Der amtierende Hundstein-Sieger, Christopher Kendler, kommt ebenso aus dem Glemmtal. Auch die Saison 2026 begann erfolgreich – die Mannschaft sicherte sich in Taxenbach den Mannschaftslandesmeister!
Eine Ausstellung zum Angreifen
Man könnte meinen, viele arbeitsreiche Stunden liegen hinter dem Kernteam. Dem ist aber nicht so. Das Konzept entstand an gemütlichen Nachmittagen bei Kaffee und Gugelhupf am Heimathaus-Küchentisch. Es wurde erzählt, fachgesimpelt und man sichtete gemeinsam alte Bilder und Zeitungsberichte aus Privatarchiven.
Schnell war klar, dass die Ausstellung lebendig sein soll. Zusätzlich zu den unterschiedlich gestalteten Schautafeln mit Bildern aus früher und heute gibt’s QR-Codes, die zu Bewegtbildern von Ranggel-Veranstaltungen und Würfen führen. Lebensgroße Puppen tragen die traditionelle Ranggel-Bekleidung. Die weiße „Pfoad“ sowie die Hose bestehen aus reißfestem Stoff, der in speziellen Webereien gefertigt wird. Als zusätzliche Highlights sind die begehrten Hundstein-Fahnen ausgestellt, die die heimischen Ranggler, die die berühmten Titel gewonnen haben, zur Verfügung stellen. Außerdem gibt’s interessante Fotos der letzten Jahrzehnte vom Ranggel-Vereinsleben im Tal über einen Touchscreen zu entdecken.
Weitere Inhalte der Ausstellung:
- Namensherkünfte & Bedeutungen
- Mehr zum Saalbacher Ranggelverein
- Mythos Hundstein
- Geschichtliches
- Grundregeln, Würfe & Veranstaltungen
- Preise & Pokale – Eindrucksvolle Handwerkskunst aus den Alpen
Die Eröffnung der Ausstellung fand am 21. Mai in kleinem Rahmen statt. Neben Altmeistern und Hundstoa-Haogmoaren, aktiven und ehemaligen Rangglern feierten Geladene aus Sportvereinen und Politik einen entspannten Abend voller Geschichten der gemeinsamen Leidenschaft „Kampfsport“. Der Ranggler und Mundartdichter Hansjörg Voithofer unterhielt mit Geschichten und Gedichten aus seinen Büchern.
Ab sofort kann die Ausstellung zu den Öffnungszeiten des Heimathauses (dienstags, mittwochs und donnerstags von 13:00 Uhr bis 17:00 Uhr) besucht werden. Das Skimuseum zeigt zeitglich Eindrücke aus der WM-Geschichte des Tales. Der Eintritt ist mit der JOKER CARD kostenfrei!