Die Shaper haben ihr Hobby zum Beruf gemacht. | © Daniel Roos
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Biketrails in Bestform

Die Shape-Crew des Home of Lässig

Nicht nur wir kämpfen uns nach den langen Wintermonaten zurück zur Bikinifigur um uns rechtzeitig zum Sommerbeginn in perfektem Shape zu präsentieren. Genau so verhält es sich mit den zahlreichen Biketrails in Saalbach Hinterglemm. Vor dem Start der Bikesaison sorgt das Team des Shape Syndicates für ein komplettes Make-Over der Trails.

Unschöne Bremswellen, abgefahrene Anlieger und Streckenbeschädigungen durch die Schneelast des Winters müssen von der Crew des Shape Syndicates behoben werden. Sobald die schmelzende Schneedecke die Trails wieder freigibt, sind die Jungs rund um Head-Shaper Roland Hofer unterwegs, um alle Strecken wieder in Schwung zu kriegen. Die zehn Shaper, die bei Sonnenaufgang auf die Trails ausschwärmen, sind selbst begeisterte Sportler, begnadete Handwerker und Konstrukteure. „Wir haben uns 2016 unter dem Firmennamen ,Shape Syndicate’ zusammengefunden. Im Winter shapen und betreuen wir Snowparks und sobald der Schnee verschwindet, kümmern wir uns um die Biketrails des Glemmtals“, erklärt mir Shape-Syndicate-Geschäftsführer Roland Hofer, während er Spitzhacke, Schaufel und Rucksack in seinem Pick-up verstaut und wir aufbrechen zum Shapen der Strecken.

 

Schneefälle verzögern die Arbeit

Kurve um Kurve fahren wir hinauf auf den Reiterkogel. Am Start von Blue-Line und Proline parken wir das Auto und schultern das Werkzeug. Ein Teil der Crew ist schon mit Baggern auf den Strecken, um die gröbsten Schäden zu beheben. „Zuerst konzentrieren wir unsere Manpower auf den Reiterkogel, denn die Gondelbahn geht bereits am 20. Mai wieder in Betrieb – und somit auch unsere beiden Bikestrecken hier. Im Frühjahr ist die Chance für generelle Verbesserungsarbeiten. Wir sind gerade dabei, die beiden Strecken noch attraktiver zu gestalten. Bei der Blue-Line etwa wird der erste Abschnitt komplett umgebaut – wir sorgen für neue Jumps und Steilkurven. Bei der Pro-Line wird der obere Teil neu angelegt und die Northshores teilweise saniert und verbessert. Auch neue Jumps kommen hinzu“, berichtet Roland Hofer und mit einem Stirnrunzeln betrachtet er die dunklen Wolken. „Das Wetter sollte allerdings halten, denn neuerliche Schneefälle verzögern unsere Arbeit. Und es ist noch viel zu tun!“

Es gibt viel zu tun

Die Crew ist auf den Strecken verteilt, um die gröbsten Schäden der Schneeschmelze mit der Hand zu sanieren. Hier wird mit der Motorsäge ein Baum geschnitten, der auf die Strecke gefallen ist. Dort werden Brücken erneuert und allgegenwärtig ist das Schlagen der Pickel, um Drainagen auszubessern. „Das Wasser ist unser größter Feind“, verrät mir Shaper Tobias Riedelsperger, der gerade einen vom Schmelzwasser zerfressenen Streckenabschnitt repariert. „Nicht nur das Schmelzwasser oder starker Gewitterregen setzen der Strecke zu. Vor dem Öffnen der Trails sollten wir zeitgerecht fertig sein und hoffen auf trockenes Wetter, damit sich die Strecke noch setzen kann. Bei Dauerregen müssen wir das Opening verschieben, denn beim Befahren der frisch sanierten Strecke in Dauernässe entstehen Schäden, die wir während der ganzen Saison nicht mehr wegbekommen. So schnell wie möglich beginnen wir parallel auch mit dem Shapen und Neugestalten der restlichen Strecken im Tal. Die Z-Line erhält im unteren Teil eine neue Linienführung. Die X-Line erhält steilere Kurven und neue Jumps. Da liegt noch einiges vor uns“, erfahre ich und konzentriert machen sich alle wieder an die Arbeit. 

Traumjob trotz harter Arbeit

Gegen Mittag wird das Werkzeug aus der Hand gelegt. Jeder packt sein Mittagessen aus dem Rucksack aus und während wir uns für eine Jause im Gras niederlassen, erzählen mir die Jungs, warum das Shapen der Biketrails ihr Traumjob ist: „Wir alle haben unser Hobby zum Beruf gemacht. Wir sind selbst leidenschaftliche Biker. Auch wenn die Arbeit ein harter Knochenjob ist – wir genießen die Zeit hier heroben am Berg, in der Natur. In der laufenden Saison startet jeder von uns den Tag mit einer Kontrollfahrt auf ,seinem’ Berg. So machen wir uns einen Überblick über mögliche Mängel, die sofort zu beheben sind. Danach werden wir in Trupps eingeteilt, die für die Wartung der Strecken sorgen. Dabei legen wir täglich – mit dem Werkzeug auf der Schulter oder die schwere Rüttelplatte schiebend – einige hundert Höhenmeter zu Fuß zurück.“ Trailshper Sladjan Zaric fügt hinzu: „Wenn schwarze Gewitterwolken aufziehen, kann aus dem Traumjob allerdings schnell ein Alpraum werden und dann heißt es, Füße in die Hand nehmen und Deckung suchen. Wir sind hier heroben ziemlich der Witterung ausgesetzt - gearbeitet wird natürlich bei jedem Wetter. Und trotzdem lieben wir, was wir tun.“ 

 

Diese Liebe zur Arbeit an den Strecken braucht es auch, denn in der Hochsaison ähnelt die Wartung der Trails einer Sisyphusarbeit, wie mir Roland Hofer bestätigt: „Wir bauen zwar alle Strecken so, dass sie möglichst haltbar sind, doch bei der starken Frequenz im Sommer kommt es schon vor, dass wir eben mit der Wartung einer Strecke fertiggeworden sind, nur um gleich wieder von vorne zu beginnen.“ Jeder Shaper hat auch eine große Mülltüte im Rucksack und dieses Detail lässt nun mich die Stirn runzeln, denn ich erfahre: „Bis zu einem halben Sack voller Müll sammeln wir täglich von den Strecken auf. Achtlos weggeworfene Getränkedosen und Verpackungen – aber auch kaputte Schläuche, die nach einer Panne einfach im Gras liegen gelassen werden.“

Verwurzelt im Glemmtal

Während wir einen technischen Streckenabschnitt mit zahlreichen Wurzeln queren, möchte ich wissen, ob die Shaper sich tief verwurzelt mit ihrer Heimat, dem Glemmtal, sehen. „Wurzeln sind wichtig – nicht nur beim Biken“, lachen sie und fügen hinzu: „Wir sind hier ziemlich gesegnet, denn wir haben alle Möglichkeiten direkt vor der Haustür. Leute kommen hierher zum Urlaub machen – wir wohnen hier. Die schöne Natur ist ein Privileg - daher arbeiten und bauen wir sehr naturnah. Jede abgehobene Grasnabe wird nach dem Bau sorgsam wieder aufgelegt und Bäume werden nur gefällt, wenn sie für die Strecke gefährlich sind. Man muss es wertschätzen, wenn man Arbeit und Freizeit an einem Ort vereinen kann und nicht viele Kilometer dafür pendeln muss. Wichtig ist uns aber auch die Wertschätzung der Einheimischen und Gäste für unsere Arbeit!“

 

Haben alle Trails dank der Shaper ihre knackige Bikinifigur erreicht, werden die Jungs während des ganzen Sommers, Tag für Tag, auf den Trails des Glemmtals zu finden sein, um die in Form gebrachten Strecken in Shape zu halten. „Wenn am 31. Oktober der Reiterkogel seine Sommersaison beendet, beginnen wir sofort mit der Sanierung der Strecken für 2018 - bis der Schnee kommt und die Skifahrer in den Startlöchern stehen. Danach kümmern wir uns wieder mit voller Kraft um die Snowparks im Home of lässig!“

 

 

 

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