© Edith Danzer
  • Backstage

Echt scharf!

Ein gutes Ski-Service bringt Skivergnügen!

Dein Körper ist mit Hilfe der Fitnessübungen mittlerweile schon in „perfect Shape“ für die Piste? Doch wie sieht es mit deinem Equipment aus? Trocknet der Belag der Skier langsam aus und der eine oder andere Kratzer vom letzten Winter ist darin noch verewigt? Die Kanten sind stumpf und mit einem Wort: Eine Rundum-Wellness-Behandlung für die Ski ist fällig! Skiservice-Profi Marcel Hagleitner verrät uns, wie man seine Ski mit ein wenig Werkzeug und Gefühl pistenfit bekommt.

Ein traumhafter Wintertag! Es ist eiskalt und ich steh mittendrin in der Zwölfer-Nord-Abfahrt. Ich liebe diese steile Piste, doch habe ich leider diesen Winter mein Equipment sträflich vernachlässigt und die Ski direkt vom Keller auf die Piste geholt. Die leicht rostige Spur und das verhaltene Gleiten des Belags rächten sich schon bei der Einfahrt in den Steilhang. Doch nun machen sich die stumpfen Kanten unangenehm bemerkbar und meine Ski finden einfach keinen Halt. Ab zum Service – und diesmal lasse ich mir erklären, worauf es bei einem guten Ski-Service ankommt.

 

Ich treffe Marcel Hagleitner in seinem Shop in der Fußgängerzone von Saalbach. Mit einem Grinsen betrachtet der 27-jährige Geschäftsführer des Sportshops die rostigen Kanten meines Skis und meint: „Diese Ski brauchen wirklich etwas Zuwendung. Eine gute Kante ist entscheidend für das Fahrverhalten. Und auch das Wachs ist wichtig, sonst trocknet dein Belag aus.“ Auf seiner Werkbank spannt er den ersten Ski in Zwingen und erklärt mir das nötige Werkzeug, das man zuhause fürs Wachseln und Kantenschleifen benötigt: „Alles was du brauchst, findest du im gut sortierten Sporthandel. Wir haben hier  zum Beispiel eine Feile mit Winkel und Klemme zum Schärfen der Kanten. Dieselbe Feile kann man – umwickelt mit etwas Tape oder Papier – auch als Belagkantenfeile verwenden, hat man das Original-Tool nicht zur Hand. Dann folgt ein Spezialwerkzeug – der Seitenwangenhobel, mit dem überstehendes Material an der Seitenwange abgenommen wird. Und hier ist der Schleifgummi zum Brechen der Kanten.“

Mamas Bügeleisen

Marcel beginnt konzentriert damit, die Seitenwange abzunehmen. Dann spannt er die Feile mit der Klemme in den Winkel und zieht sie fünf bis sechsmal über die Kante. „Man muss das mehrmals wiederholen, bis der gewünschte Schärfegrad erreicht ist. Wichtig ist, dass man danach mit dem Schleifgummi den Grat auf der frisch geschliffenen Kante wegnimmt, sonst verschneidet man sich leicht. Im vorderen und hinteren Bereich wird die Kante mit dem Gummi gebrochen, so ist der Ski viel leichter zu drehen. Wir sind gleich bereit zum Wachseln, steck schon mal das Bügeleisen ein.“ Marcels Wachseleisen ist ein speziell für diese Zwecke designtes Werkzeug, doch er meint: „Wer ein ausgedientes Bügeleisen zuhause hat, kann das natürlich auch verwenden. Nur Mamas teures Dampfbügeleisen sollte man keinesfalls zum Wachseln missbrauchen – das gibt Ärger!“ Sorgfältig wischt er mit einem Tuch über den Belag und erklärt: „Vor dem Auftragen des Wachses müssen alle Metallspäne vom Schleifen entfernt werden, sonst hat man sie später im Belag. Dann bürste ich den Belag, um die Poren zu öffnen. Wenn das Bügeleisen eine Temperatur von 100 – 115 °C erreicht hat, geht’s los!“

Jetzt wird gebügelt

Marcel hält das Wachs an das heiße Bügeleisen und schon tropft das Wachs auf den Belag. Zügig arbeitet er sich über den ganzen Ski und legt das Wachsstück beiseite. „Jetzt wird gebügelt!“, verkündet er lachend. Man kann direkt sehen, wie der trockene Belag meines Skis durstig das Wachs aufnimmt. Prüfend legt Marcel während dem Bügeln eine Hand an die Skiunterseite und erklärt: „Die Skiunterseite ist leicht warm – nicht heiß. Das ist ideal. Da dein Belag vom letzten Frühjahr noch relativ schmutzig war, werde ich das ganze soeben aufgetragene Wachs gleich wieder abnehmen. Das entfernt den Schmutz und wir tragen danach nochmal Wachs auf.“ Mit einem Plexiglas zieht Marcel mit gekonnten Schüben das frische Wachs ab und schon tropft die nächste Wachsschicht auf den Ski. „Jetzt muss dieser Ski erst einmal etwa eine Stunde auskühlen, bevor wir ihn abziehen. In der Zwischenzeit arbeite ich am zweiten Ski.“

Die Werkstatt ist erfüllt vom Duft nach Wachs und Marcel erzählt. „Ich bin früher selbst als Rennläufer im Landescup gefahren und später im Skiercross an den Start gegangen. Im Rennen war ein perfektes Skiservice natürlich entscheidend. Heute bin ich staatlicher Skilehrer und Skiführer und wenn es meine Arbeit hier im Shop zulässt, zieht es mich in den Powder des Home of lässig. Auch wenn wir die modernsten Maschinen für das Skiservice haben – meinen Rennski wachsel ich nach wie vor mit der Hand. Das mache ich einfach mit Hingabe, auch wenn es rund zwei Stunden dauert.“ Das maschinelle Service hingegen geht ruckzuck und liefert ein ausgezeichnetes Ergebnis. Wer also nicht gern selbst im Keller mit Feile und Bügeleisen hantiert, der bringt seine Skier einfach bei Urlaubsbeginn in einen der Sportshops im Skicircus. „Das maschinelle Service dauert etwa 20 Minuten. Auch unsere Verleihski sind bei der Ausgabe voll geserviced und gewachst. Wer aber in das Geheimnis des Kantenschleifens eingeweiht werden möchte, kann sich gerne an uns wenden. Für Gruppen organisiere ich einen eigenen Service-Workshop.“ Meine Skier sind mittlerweile ausgekühlt und das überschüssige Wachs ist abgenommen. Marcel bürstet den Belag ein letztes Mal und meine Skier sind fertig und wie neu. „Echt scharf!“, entfährt es mir, als ich die Kante mit dem Daumennagel prüfe und freue mich jetzt schon auf die nächste Abfahrt auf der Zwölfer-Nord!

Themenverwandte Beiträge

  • Backstage
Perfekte Rennpisten sorgen für Bestzeiten bei den Läufern. | © saalbach.com
  • Tradition
Panorama | © TVB Saalbach Hinterglemm, Mirja Geh

Schnee-Prognosen

Edith Danzer
  • Event
Heiße Action im Schnee | © Saalfelden Leogang Touristik GmbH/Christoph Laue
  • Backstage
Die Crew (v.l.):  Flugretter Toni Voithofer, Dr. Katharina Spora und Pilot Shannon Harding | © Edith Danzer